50 Jahre Gesellschaft Marine in Unterrath

Liebe Leser der Schützenzeitschrift ,,Im Visier"!

Das Jahr 2000 bedeutet für die Gesellschaft Marine ein Jubiläumsjahr. Die Gründung erfolgte im Oktober 1950. Aus diesem Grunde haben wir unser Jubiläumsjahr mit einem Neujahrsempfang am 16. Januar 2000 im Evangelischen Gemeindesaal, Am Röttchen, eingeläutet. Mit großer Freunde konnten wir viele prominente Gäste begrüßen. Mit besonderem Stolz erfüllte uns, dass ehemalige Gründungsmitglieder, die schon seit vielen Jahren nicht mehr am Vereinsleben der Gesellschaft teilgenommen haben, an diesem Morgen anwesend waren. Nachdem schon einige Bierchen verzehrt waren, wurde reichlich Seemannsgarn gesponnen. Der Tag wurde uns durch Musik verschönert. Eine Jazzband und das Marine-Tambourkorps spielten, beim Labskaus begeisterte uns ein Shantychor mit Marinelieder. Die Stunden verflogen wie im Flug und alle waren sich einig, das es eine tolle Veranstaltung war. Dies war die erste Veranstaltung in diesem Jahr. Das eigentliche Wiegenfest wollen wir auf unserem Krönungsball am 24. Juni 2000 feiern.

Vielen Lesern der Schützenzeitschrift ,,Visier" und auch Unterrather Bürgern dürfte die Chronik der Gesellschaft nicht mehr bekannt sein. Wir möchten deshalb die 50-jährige Vereinsgeschichte nochmals Revue passieren lassen.

Es gehört schon eine ordentliche Portion Treue dazu, einem Menschen oder einer Institution 50 Jahre zu dienen. 50 Jahre aktives Mitglied einer Gesellschaft zu sein, und immer noch Verantwortung mitzutragen, kann man als besondere Leistung ansehen, worauf mit Recht einige Kameraden, die von Anfang an dabei sind, stolz sein können.

Am Himmelfahrtstage des Jahres 1950 wurde der Gedanke zur Gründung einer Marine-Gesellschaft geboren. Durch Auflegen einer Interessentenliste war der Grundstock gelegt. Die ersten Kontaktpersonen waren Heinz Brückmann, Karl Schuster, Kurt Windberg, Viktor Kamkötter, Heinz Fontes und die Wirtin unseres heutigen Vereinshauses Käthe Op't Eynde, die für ihre Aktivitäten und besonderen Einsatz später zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Schon nach wenigen Wochen meldeten sich eine Anzahl Männer - größtenteils ehemalige Angehörige der Marine - und trugen sich in diese Liste ein. Zur Besprechung zwecks Gründung einer Marinekompanie wurde am 03.09.1950 eingeladen. Zu dieser Besprechung fanden sich 16 Männer ein.

Vielleicht war es gerade diese geringe Anzahl, die es ermöglichte, in einer verhältnismäßig kurzen Zeit eine neue Gesellschaft aus der Taufe zu heben. Eine Gesellschaft, die sich am Gründungstag dazu bekannte, Tradition und heimatliches Brauchtum (das durch die Kriegsereignisse zum Erliegen gekommen war) wieder aufleben zu lassen und die ,,Geselligkeit" zu pflegen, getreu dem Wahlspruch ,,für Glaube, Sitte und Heimat".

Am 28.10.1950, anlässlich der Gründungsfeier, wurde die offizielle Aufnahme durch den damaligen Chef der Bruderschaft, Herrn Karl Matthey, der die junge Gesellschaft herzlich willkommen hieß, vollzogen.

In der Folgezeit gab es viel zu tun. Doch manches Ereignis ist denen, die dabei waren, noch in bester Erinnerung. Heute, nach vielen Jahren, kann man mit Recht sagen, der Anfang war nicht immer leicht, aber trotzdem, es war eine schöne Zeit.

Über Nacht wurde die ,,Gesellschaft" für die Angehörigen der Dreh- und Angelpunkt. Satzungen mussten aufgestellt werden. Das Ziel: die Anschaffung einer Standarte und erstes öffentliches Auftreten. Am 01.05.1951 fand, nach nicht immer leichten Vorverhandlungen, der Übertritt des damaligen Jungschützentambourkorps zur Gesellschaft statt. Die Mitglieder des Tambourkorps wurden Einzelmitglieder, das

Korps als solches jedoch blieb geschlossen in seiner bisherigen Form.

Heinz Vossen schrieb damals: ,,Wir können wirklich stolz darauf sein, dass wir in einen Kreis von wirklichen Kameraden aufgenommen wurden, die Unterstützung von Seiten der neuen Gesellschaft ist enorm groß. Alle bisherigen Sorgen, die wir hatten, werden von nun an gemeinsam getragen und somit haben wir ein starkes Rückgrad, worauf wir fest bauen können."

Die Mitgliederzahl betrug nach der Fusion 40 Kameraden. Unter Führung des inzwischen zum Rgt.-Tambour-Major beförderten Heinz Vossen hat das Marinekorps in den Jahren nach der Zusammenlegung durch sein Auftreten, nicht nur in Unterrath, nein auch über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus, großen Anklang gefunden.

Am 17.06.1951 fand die kirchliche, am 30.06.1951 die weltliche Feier der Standartenweihe statt. Diese Ereignisse hatten, dank der Beteiligung aller Schützen des Unterrather Regiments, aber auch durch die Unterrather Bevölkerung selbst, einen würdigen und unvergesslichen Rahmen. Mit klingendem Spiel zog man zum Festgottesdienst in die St. Bruno Pfarrkirche. Der weltliche Teil wurde durch einen herrlichen Prolog eröffnet und nahm bei Beteiligung aller Fahnen der Bruderschaft ebenfalls einen glänzenden Verlauf.

Der Schirmherr der Gesellschaft, Protektor und Ehrenmitglied Ludwig Kempen, überreichte als Geburtstagsgeschenk eine Königskette und einen Königsring, in einer Ausführung, die der alten Goldschmiedekunst nur zur Ehre gereichte. Wenn die Gesellschaft heute, nach vielen Jahren, herrliche Erinnerungsstücke ihr eigen nennen kann, so verdankt sie es dem Mann, der stets bescheiden im Hintergrund wirkte, doch mit ganzem Herzen bei seiner Gesellschaft war.

Das Vereinsleben verlief auch weiterhin in voller Aktivität; zuweilen war es zuviel des Guten. Doch mit Elan, der immer neue Gesellschaften auszeichnet, wurde alles zur Zufriedenheit gelöst. Nicht immer hilft Elan, Stärke, Schneid und Zuversicht - nein, auch eine Portion Glück kann ein Schütze gebrauchen.

Dieses Glück führte dazu, dass die Mützen der Angehörigen im Verlauf von 50 Jahren wiederholt in den abendlichen Himmel flogen, aus Begeisterung darüber, dass es wieder einem Kameraden gelungen war, die höchste Trophäe, die das

Regiment zu vergeben hat, die Königs- oder Kronprinzenwürde, zu erringen. Wie aus der Bilderdokumentation ersichtlich, errangen fünf Angehörige die Regimentskönigs- und drei Kameraden die Kronprinzenwürde.

1952/53 Kurt Windberg (der letzte Mann, so nannten wir ihn) war es, der mit seiner Frau Lotti das erste Regimentskönigspaar der Marine wurde. Aber auch das kronprinzenpaar stellte die Marine in diesem Jahr; Paul Schmitt und seine Frau Käthe waren die Glücklichen.

1953/54 Ein Jahr später waren es Dieter Hoster und Anita Schmitz, die Regimentskronprinzenpaar wurden.

1956/57 Hans Dieter Haupt gelang es, mit seiner Frau Uschi, Regimentskönigspaar zu werden. auch hier eine Anekdote, die er selbst vielleicht nicht mehr weiß: Als sein Name aufgerufen wurde, schaute er in die Zuschauermenge, entdeckte seine Eltern, die ihm o.k. signalisierten, und schon war die Platte unten. Unbeschreibliche Freude bei allen Kameraden. Nach über 40 Jahren wurde ihm die Ehre zuteil, Kompaniekönig der Gesellschaft zu werden.

1959/60 Wieder drei Jahre später wurde Hubert Jeuken mit seiner Frau Mandchen drittes Regimentskönigspaar der Marine. Unser Oberst wird sich bestimmt noch gerne daran erinnern. In schmucker kadettenuniform und dann der legendäre Fackel-Nachtmarsch Festzelt Piwipp nach Lichtenbroich (soweit die Füße tragen).

1972/73 In diesem Jahr wurde Udo Pfeifer mit seiner Schwester Gabi Regimentskronprinzenpaar.

Danach wurde es ruhig um die Gesellschaft. Das Durchschnittsalter der aktiven Mitglieder war inzwischen auf 55 Jahre angewachsen. Eine Gesellschaft, die erfolgreich sein will, braucht Kontinuität, aber auch neue Impulse, die gerade junge Mitglieder oftmals einbringen.

Der Vorstand stellte einen neuen Gesellschaftsanzug vor und zwar graue Hose, blauer Blazer und die weiße Marinemütze. Der neue Gesellschaftsanzug fand überwiegend positive Zustimmung.

1981 entschlossen sich spontan 14 passive Mitglieder, aktiv zu werden. Das Generationsproblem, das in Vereinen und Gesellschaften auftritt, war mit einem Schlag gelöst.

1984/85 wurde einer der neuen aktiven Mitglieder, Hansi Rothes, Regimentskönig. Hansi Rothes machte nach 25 Jahren die Gesellschaft wieder zur Königskompanie. Das, was Hansi in diesem Jahr vollbracht hatte, ist kaum nachvollziehbar. In einem Jahr heiratete er seine Moni, wurde Kompaniekönig und entschloss sich auf dem Generalappell, auch Regimentskönig zu werden. Er kam, sah und siegte. Wie das immer im Leben so ist, herrschte aber auch tiefe Betroffenheit als wir vom plötzlichen Tod unseres Gesellschaftsführers, Heinz Brückmann, erfuhren.

1989/90 Rechtzeitig zu unserem 40-jährigen Jubiläum war es dann wieder unser Kompaniekönig, der nach kurzer Rücksprache nach dem Generalappell sagte: ,,Ich versuche es," Alle Mitglieder waren tief beeindruckt und überglücklich, das ,,er" das Quentchen Glück hatte und es schaffte. Strahlender Sieger und somit neues Regimentskönigspaar: Lothar und Annemie Tappen.

Fürwahr, eine Leistung, die sich nicht so schnell wiederholen wird. Mit Recht ist man stolz auf das Errungene und doch darf man sagen, überheblich geworden ist keiner vom Erfolg.

Zu unserem 50-jährigen Jubiläumsjahr hatten wiederum zwei Kameraden und zwar Friedrich Wendel und Klaus Peter Roß versucht, die Regimentskönigswürde zu erringen. Leider ist es beiden trotz hochgelegter Platte nicht gelungen.

Dreimal stellte die Gesellschaft noch das Regimentspagenpaar.

1962/63 waren es Heinz Bürger und Rita Fontes und 20 Jahre später 1982/83 Frank Köntgen und Birgit Roß.

Birgit hatte seinerzeit als Prinzessin geübt, um viele Jahre später einmal Regimentskönigin zu werden.

1993/94 Alexandra Wetzel und ihr Prinzgemahl Markus Wendel.

Zwei Kameraden wurden seinerzeit in den geschäftsführenden Vorstand gewählt:

1959 fiel die Wahl des 2. Chefs der Bruderschaft auf den Kameraden Hans Dieter Haupt.

1966 trat aus gesundheitlichen Gründen Hubert Lethen als 1. Chef zurück, Hans Dieter Haupt wurde Chef der Bruderschaft bis 1974.

Auch Paul Kandora war viele Jahre Platzmeister der Bruderschaft.

In jüngster Vergangenheit wurden weitere Kameraden in den Regimentsvorstand gewählt:

1995 Wahl von Hansi Rothes in die Regimentsplatzkommission, zwischenzeitlich 2. Platzmeister.

1996 Wahl von Olaf Köntgen in die Regimentsplatzkommission.

1999 Wahl von Bodo Hentsch zum 2. Kassierer in der Bruderschaft.

1991 vollzog sich ein weiterer Generationswechsel. Der Vorstand der Gesellschaft wurde verjüngt. Als Vorsitzender wurde Klaus Peter Roß gewählt, Kassierer wurde Friedrich Wendel und Schriftführer ein alter Haudegen Hans Dieter Haupt. Alle drei Kameraden sind weiterhin im Amt, nachdem sie schon zweimal wiedergewählt wurden.

1992 konnten wir Henry Krüger gewinnen, das Amt des Protektors zu übernehmen.

Festzuhalten ist noch, das der sich 1981 einsetzende Trend, die Gesellschaft zu verjüngen, sich weiter fortsetzt. Wir können mit Stolz sagen, dass innerhalb der Gesellschaft eine gesunde Mischung zwischen jungen und alten Mitgliedern stattgefunden hat. Der Verjüngungsprozess setzt sich kontinuierlich fort. Zur Zeit hat die Gesellschaft wieder ihre Sollstärke von 30 aktiven Mitgliedern.

Sicherlich wäre noch vieles der Aufzählung wert, das würde jedoch den Rahmen dieser Schützenzeitschrift sprengen. Es genügt festzuhalten, das es wie überall im Leben Höhen und Tiefen gab. Manches mal lag Freud und Leid eng beieinander, aber es hat sicherlich dazu gedient, das Miteinander zu festigen.

Zum Schluss wünsche ich der Gesellschaft für die Zukunft ein gesundes Wachstum und weiterhin Kontinuität sowie Harmonie. Ferner wünsche ich der Gesellschaft, dass die neuen jungen Mitglieder eines Tages in die Fußstapfen der Älteren treten werden.

Klaus Peter Roß

PS

50 Jahre sind aber auch Grund und Anlass Danke zu sagen. Danke an alle passiven Mitglieder, Freunde und Gönner. Ohne ihre Hilfe wäre vieles nicht erreicht worden. Danke möchte ich allen sagen, die mithelfen und mitarbeiten werden, das Jubiläumsjahr erfolgreich zu gestalten.

Unser Dank gilt natürlich auch unserem Protektor Henri Krüger.

Ein Dankeschön gilt natürlich auch unseren noch amtierenden Königspaaren, zum einem für die aktiven Mitglieder Michael Brochhausen und Petra Brochhausen-Scheidtweiler sowie für die passiven Mitglieder Georg und Sigrid Lippitsch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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