40 Jahre Vereinsgeschichte
Es gehört schon eine ordentliche Portion Treue dazu, einem Menschen oder einer Institution 40 Jahre zu dienen. 40 Jahre aber aktives Mitglied einer Gesellschaft zu sein, und immer noch Verantwortung mitzutragen, kann man als Leistung ansehen, worauf mit Recht einige Kameraden stolz sein können.
Am Himmelfahrtstage des Jahres 1950 wurde der Gedanke zur Gründung einer Marine-Gesellschaft geboren. Durch Auflegen einer Interessentenliste war der Grundstock gelegt. Die ersten Kontaktpersonen waren Heinz Brückmann, Karl Schuster, Kurt Windberg, Viktor Kamkötter, Heinz Fontes und die Wirtin Frau Käthe Op't Eynde, die für ihre Aktivitäten und besonderen Einsatz später zum Ehrenmitglied ernannt wurde.
Schon nach wenigen Wochen meldeten sich eine Anzahl Männer - größtenteils ehemalige Angehörige der Marine - und trugen sich in diese Liste ein. Zur Besprechung zwecks Gründung einer Marinekompanie wurde am 3.9.1950 eingeladen. Zu die Besprechung fanden sich 16 Mann ein.
Vielleicht war es gerade diese geringe Anzahl, die es ermöglichte, in einer verhältnismäßig kurzen Zeit eine neue Gesellschaft aus der Taufe zu heben. Eine Gesellschaft, die sich am Gründungstag dazu bekannte, Tradition und heimatliches Brauchtum (das durch die Kriegsereignisse zum Erliegen gekommen war) wieder aufleben zu lassen und die ,,Geselligkeit" zu pflegen, getreu dem Wahlspruch für Glaube, Sitte und Heimat.
Am 28.10.1950, anläßlich der Gründungsfeier, wurde die offizielle Aufnahme durch den damaligen Chef der Bruderschaft, Herrn Karl Matthey, der die junge Gesellschaft herzlich willkommen hieß, vollzogen.
In der Folgezeit gab es viel zu tun. Doch manches Ereignis ist denen, die dabei waren, noch in bester Erinnerung. Heute, nach vielen Jahren, kann man mit Recht sagen, der Anfang war nicht immer leicht, aber trotzdem, es war eine schöne Zeit.
Über Nacht wurde die ,,Gesellschaft" für die Angehörigen der Dreh- und Angelpunkt. Satzungen mußten aufgestellt werden. Das Ziel: Die Anschaffung einer Standarte und erstes öffentliches Auftreten. Am 1.5.1951 stand, nach nicht immer leichten Vorverhandlungen, der Übertritt des damaligen Jungschützentambourkorps zur Gesellschaft statt. Die Mitglieder des Tambourkorps wurden Einzelmitglieder, das Korps als solches jedoch blieb geschlossen in seiner bisherigen Form.
Heinz Vossen schrieb damals: ,,Wir können wirklich stolz darauf sein, daß wir in einen Kreis von wirklichen Kameraden aufgenommen wurden, die Unterstützung von Seiten der neuen Gesellschaft ist enorm groß. Alle bisherigen Sorgen, die wir hatten, werden von nun an gemeinsam getragen und somit haben wir ein starkes Rückgrad, worauf wir fest bauen können."
Die Mitgliederzahl betrug nach der Fusion 40 Mann. Unter Führung des inzwischen zum Rgt.-Tambour-Major beförderten Heinz Vossen hat das Marinekorps in den Jahren nach der Zusammenlegung durch sein Auftreten, nicht nur in Unterrath, nein auch über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus, großen Anklang gefunden.
Am 17.6.1951 fand die kirchliche, am 30.6.1951 die weltliche Feier der Standartenweihe statt. Diese Ereignisse hatten, dank der Beteiligung aller Schützen des Unterrather Regiments, aber auch durch die Unterrather Bevölkerung selbst, einen würdigen und unvergeßlichen Rahmen. Mit klingendem Spiel zog man zum Festgottesdienst in die St. Bruno Pfarrkirche. Der weltliche
Teil wurde durch einen herrlichen Prolog eröffnet und nahm bei Beteiligung aller Fahnen der Bruderschaft ebenfalls einen glänzenden Verlauf.
Der Schirmherr der Gesellschaft, Protektor und Ehrenmitglied Ludwig Kempen, überreichte als Geburtstagsgeschenk eine Königskette und einen Königsring, in einer Ausführung, die der alten Goldschmiedekunst nur zur Ehre gereichte. Wenn die Gesellschaft heute, nach vielen Jahren, herrliche Erinnerungsstücke ihr eigen nennen kann, so verdankt sie es dem Mann, der stets bescheiden im Hintergrund wirkte, doch mit ganzem Herzen bei seiner Gesellschaft war.
Das Vereinsleben verlief auch weiterhin in voller Aktivität; zuweilen war es zuviel des Guten. Doch mit Elan, der immer neue Gesellschaften auszeichnet, wurde alles zur Zufriedenheit gelöst. Nicht immer hilft Elan, Stärke, Schneid und Zuversicht - nein, auch eine Portion Glück kann ein Schütze gebrauchen.
Dieses Glück führte dazu, daß die Mützen der Angehörigen im Verlauf von 40 Jahren wiederholt in den abendlichen Himmel flogen, aus Begeisterung darüber, daß es wieder einem Kameraden gelungen war, die höchst Trophäe, die das Regiment zu ver-geben hat, die Königs- oder Kronprinzenwürde, zu erringen. Wie aus der Bilder-Dokumentation ersichtlich, errangen fünf Angehörige die Regimentskönig- und drei Kameraden die Kronprinzenwürde.
1953/54 Ein Jahr später waren es Dieter Hoster und Anita Schmitz, die Regiments-Kronprinzenpaar wurden.
1956/57 Hans Dieter Haupt gelang es, mit seiner Frau Uschi, Regimentskönigspaar zu werden. Auch hier eine Anekdote, die er selbst vielleicht nicht mehr weiß: Als sein Name aufgerufen wurde, schaute er in die Zuschauermenge, entdeckte seine Eltern, die ihm O.K. signalisierten, und schon war die Platte unten. Unbeschreibliche Freude bei allen Kameraden. Kompaniekönig ist er in 40 Jahren noch nie gewesen.
1959/60 Wieder 3 Jahre später wurde Hubert Jeuken mit seiner Frau Mandchen drittes Regimentskönigspaar der Marine. Unser Oberst wird sich bestimmt noch gerne daran erinnern. In schmucker Kadettenuniform und dann der legendäre Fackel-Nachtmarsch Festzelt Piwipp nach Lichtenbroich (soweit die Füße tragen).
1972/73 In diesem Jahr konnte Udo Pfeifer mit seiner Schwester Gabi noch einmal Regiments-Kronprinzenpaar werden.
Danach wurde es ruhig um die Gesellschaft. Das Durchschnittsalter der Aktiven war inzwischen 55 Jahre. Eine Gesellschaft, die erfolgreich sein will, braucht Kontinuität, aber auch neue ,,Impulse", die gerade junge Mitglieder oftmals einbringen.
Der Vorstand stellte einen neuen Gesellschaftsanzug vor, der überwiegend positive Zustimmung fand. 14 passive Mitglieder entschlossen sich spontan, aktiv zu werden. Das Generationsproblem war gelöst.
1989/90 Rechtzeitig zum Jubiläum war es dann wieder ein Kompanie-König der nach kurzer Rücksprache nach dem Generalappell sagte: ,,Ich versuche es." Alle Mitglieder waren tief beeindruckt und überglücklich, das ,,Er" das Quentchen Glück hatte und es schaffte. Strahlender Sieger und somit neues Regimentskönigspaar: Lothar und Annemarie Tappen.
Fürwahr; eine Leistung, die sich nicht so schnell wiederholen wird. Mit Recht ist man stolz auf das Errungene und doch darf man sagen, überheblich geworden ist keiner vom Erfolg.
Zweimal stellte die Gesellschaft noch das Regiments-Pagenpaar.
1982/83 Frank Köntgen und Birgit Ross.
Zwei Kameraden wurden in den geschäftsführenden Vorstand gewählt.
1959 fiel die Wahl des II. Chefs der Bruderschaft auf den Kameraden H. D. Haupt.
Auch Paul Kandora war viele Jahre Platzmeister der Bruderschaft.
Vieles wäre noch der Aufzählung wert, jedoch die Zeit geht dahin. Es genügt festzuhalten, daß es, wie überall im Leben, Höhen und Tiefen gab, manches mal lag ,,Freud und Leid" eng beieinander; aber es hat sicherlich dazu gedient, das Miteinander zu festigen.
Nun will ich meine ,,Chronik" schließen in der Hoffnung, daß es noch recht oft gemeinsame Feste geben wird.
Der Gesellschaft wünsche ich für die Zukunft noch viele Mitglieder; die bereit sind, das Leben innerhalb des Vereins positiv zu gestalten.
Franz Bellartz
PS. 40 Jahre sind aber auch Grund und Anlaß ,,Danke" zu sagen. ,,Danke" an alle passiven Mitglieder; Freunde und Gönner; ohne ihre Hilfe wäre vieles nicht erreicht worden. ,,Danke" an alle, die mit geholfen und mitgearbeitet haben, daß unser Jubiläumsfest am 5. Mai 1990 ein voller Erfolg wurde.