erster Törn
Hier in der Heimat schloß man sich zusammen, um das zu pflegen, was man einst geliebt, Kameradschaft, Treue, diese guten Dinge, sind's die man hier von neuem übt.
Unter diesen Worten als Leitgedanken fanden sich Männer, die früher das "blaue Tuch" der Marine trugen, im Jahr 195o zusammen.
Sie wollten den Geist, der die Kameradschaft zur See zu einem Erlebnis werden ließ, auch weiterhin pflegen.
In der Gaststätte O'pt Eynde wurde der Gedanke zur Gründung einer Marinegesellschaft im Stadtteil Unterrath geboren. Unser Kaleu Heinz Brückmann und die verstorbene Wirtin Frau Käthe O'pt Eynde machten mit der Auflegung einer Anmeldungsliste den Anfang. In den folgenden Wochen und Monaten trug sich viele Interessenten, meist ehemalige Angehörige der Marine, in diese Liste ein.
Am 3.9.195o wurde zur Besprechung zwecks Gründung der Gesellschaft Marine eingeladen. Es fanden sich 14 Personen ein. Gerade diese geringe Zahl ermöglichte in wenigen Stunden eine neue Gesellschaft aus der Taufe zu heben.
Eine Gesellschaft war gegründet, die es sich zu ihrer Pflicht, aber auch zu ihrer vornehmsten Aufgabe gemacht hat, sich würdig an die Seite ihrer Brudergesellschaften in der St. Seb. Bruderschaft Düsseldorf-Unterrath zu stellen.
Die Gesellschaft wollte neben der Pflege ihrer Marine-Tradition dazu beitragen, heimatliches Brauchtum wieder aufleben zu lassen und an der Ausgestaltung der Schützen- und Volksfeste getreu dem Wahlspruch für "Glaube, Sitte und Heimat" aktiv mitzuwirken..
Zweiter Törn.
In Anlehnung an unserer Entstehungsgeschichte im Heft 1970 wurde in einer Gründungsfeier am 28.10.1950, die Gesellschaft Marine, durch den damaligen Chef der Bruderschaft, Herr Karl Matthey, in die Schar der Unterrather Schützen aufgenommen. Sieben Monate später wurde die Fusion mit dem Jungschützentambourcorps beschlossen. Dieses Corps in ihrer neuen, schmucken Marineuniform, hat nicht nur in Unterrath, nein, auch weit über die Grenzen der Landeshauptstadt Düsseldorf, großen Anklang gefunden. Im Juni 1951 konnten wir dann unsere Standarte einweihen. Die kirchliche, wie die weltliche Feier erhielt durch Beteiligung aller Schützen des Unterrather Regiments, aber auch der Bevölkerung Unterrath' s, einen würdigen und unvergeßlichen Rahmen. Der Prolog zur Fahnenweihe war so inhaltsreich, daß man gerne Ausschnitte in Erinnerung bringt:
Erdteil und Weite zu verbinden,
das ließ der Geist auf Meeren finden;
denn als noch Ruhe auf dem Land,
dem Ozean schon das Schiff bekannt.
Wenn unter Wolken, über Wogen,
die Wasser sich und Wellen bogen,
dann fuhren Segler, stolz geschwellt,
wie Ritter sich zu Ritter stellt.
Nun haben wir heute ein Banner,
es steht zur Weihe, Ihr Männer.
Seht hier im Bilde den letzten Mann,
Über Treue sonst niemand sprechen kann.
Der letzte Mann geht als Letzter vom Schiff.
Er scheut nicht den Untergang, scheut nicht das Riff;
Er sieht nur der Brüder große Schar,
denen sein Opfer die Rettung war.
Sie, die alle gern hier verweilen,
sollen die Marine in die Schützen einteilen.
Auf daß es eine Gemeinschaft werde,
zum Ruhme des Herrn auf dieser Erde.
So wollen das Banner wir enthüllen.
Es wird uns alle mit Freude erfüllen.
Erhebt Euch, Marine und Ihr von St..Sebastian.
Schaut stolz Euch dieses Banner an.
Nun falle, du Hülle, das Banner wartet schon,
es will Euch voran geh' n in alter Tradition.
Es will Euch führen auch fürderhin,
den Weg zu dem letzten Ziele hin.
Das Vereinsleben verlief in voller Aktivität, wobei viel der Elan der Mitglieder beitrug. Doch nicht nur Elan und Zuversicht, nein, auch eine Portion Glück braucht ein Schütze. Dieses Glück, gestützt auf ein gutes Auge führte dazu, daß schon im Jahre 1952 unser unvergessener Kurt Windbergs die Regiments-Königswürde errang. Fürwahr, für unsere junge Gesellschaft ein erfreuliches und viel umjubeltes Ereignis. Für alle Mitglieder erneut Ansporn für das weitere Gedeihen unserer Gesellschaft,
Dritter Törn.
Auch in den nächsten Jahren bleibt die Gesellschaft Marine weiter am Ball. Ein weiteres erfreuliches und von uns viel umjubeltes Ereignis wurde mit der Erringung der Regimentskönigswürde im Jahre 1956/57 durch Dieter Haupt erreicht. Doch auch andere Kameraden der Gesellschaft holten viel Bronze in Form von Pfändern der Königs- und Ehrenvögel. Nachdem die innere Festigung erreicht war, wurden wir nach außen aktiv, um auch gegenüber der Bruderschaft unsere Aufgeschlossenheit zu zeigen. So wurde unser leider viel zu früh verstorbenes Mitglied Paul Kandora 1955 zum Platzmeister der Bruderschaft gewählt. Im März 1959 wurde unser Kamerad Dieter Haupt zum zweiten Vorsitzenden der Bruderschaft bestellt. Wie allen bekannt sein dürfte, mittlerweilen seit Jahren schon Chef der Bruderschaft. Innrrhalb der Gesellschaft legte nach über acht Jahren intensivsten Wirkens, der Vorsitzende und Kapitänleutnant Edmund Cordes sein Amt nieder. Die Geschichte der Gesellschaft Marine ist mit dem Namen des Vorsitzenden eng verbunden. Aufgrund seiner umfangreichen Vereinserfahrung ist es unbestreitbar sein Hauptverdienst, die Gesellschaft in wenigen Jahren zu einer anerkannten, repräsentativen Größe gebracht zu haben. Durch Neuwahl wurde unser Mitbegründer und bisheriger zweiter Vorsitzender Heinz Brückmann zum ersten Vorsitzenden und Gesellschaftsführer ernannt. Aus seinen ersten Worten als Gesellschafteführer war zu entnehmen, die Gesellschaft Marine im Geiste seines Vorgängers weiter zu führen.
Nachdem nun zehn Jahre Geschichte Marine Unterrath in drei Festzeitschriften erzählt wurden, sollte auch einmal das Innenleben der Gesellschaft durchforstet werden.
Was treibt eine Gesellschaft außer dem Auftreten an Schützentagen? Nun ja, einmal monatlich mit Ausnahme der Urlaubsmonate treffen sich die Kameraden im Stammlokal Op´t Eynde. Und über was wird da gesprochen? Die eingegangene Post anderer Gesellschaften wird besprochen. Z.B ob an diesem oder jenem Fest teilgenommen wird oder nicht, oder nur eine Abordnung entsandt wird. Des weiteren werden Beiträge an den Kassierer gezahlt zur Begleichung der Verpflichtungen, die auf eine Gesellschaft so zukommen. Die Verlesung des letzten Protokolls erfolgt, um festzustellen ob besprochenes auch durchgeführt wurde oder noch behandelt werden muß. Auch Termine und Ausführung anstehender Feste wie Kompaniekönigsschießen oder Krönungsball der Gesellschaft sind Themen die behandelt werden. Ein anderes Mal ist das Gespräch ,,Gesellschaftsausflug". Doch nicht nur erfreuliche Themen stehen zur Debatte. Es gibtt auch schonmal interne Zwistigkeiten. Selbst diese wünscht die Gesellschaft in offener Aussprache zu regeln, denn Neid und Unkameradachaft haben in der Gesellschaft
keinen Platz. Selbst unseren passiven Mitgliedern ist es gestattet, zwar ohne Stimme bei Beschlüssen, an den Monatsversammlungen teilzunehmen. Je nach Gelegenheit erfolgen Vorträge. Entweder eigene Mitglieder oder auch Gäste bringen Erlebtes in Wort und Bild. In der Zusammenfassung kann man sagen, daß jedes Thema angesprochen werden kann. Mit cirka 1,5 bis 2 Stunden Gespräche und Themen ist unsere Monatsversammlung ausgefüllt. Man bleibt danach noch etwas beisammen, wobei ab und zu auch altes Liedgut der Marine anklingt. So gesehen versuchen wir immer wieder den Zweck der Gesellschaftsgründung zu erreichen: Pflege des Marinebrauchtums und Förderung echter Kameradschaft"
Vierter Törn
In 3 vorangegangenen Törns wurde der Werdegang der Gesellschaft Marine aufgezeichnet.
Es war die Rede von der Liebe zum ,,blauen Tuche", die Liebe zum Wasser, zum Meer, von Kameradschaft und Tradition.
Es ist daher müßig sich einmal Gedanken darüber zu machen, warum das Erleben des Meeres zur dauerhaften Liebe für alle wurde, die einmal frei sein wollten, frei von der Enge des Raumes und den Sperrschranken der Grenze.
,,Das Erleben des Meeres."
Das Meer ist stumm, Wer es verstehen will, muß schweigen können, wie es der Seemann versteht, und er muß zu lauschen wissen, wie es Hermann Löns uns lehrte, denn
,,Es gibt nichts Totes auf der Welt,
Hat alles sein' Verstand:
Es lebe das öde Felsenriff,
Es lebe der dürre Sand.
Laß Deine Augen offen sein,
Geschlossen deinen Mund,
Und wandle still, so werden dir
Geheime Kräfte kund!"
Aus den Eigenschaften des Meeres formen sich Geist und Charakter des Menschen. ,,Aus endlosen Horizonten", schrieb Ratzel, wächst ein großer Zug von Kühnheit, Ausdauer und Fernblick in den Geist und Charakter der Seevölker hinein. Nur das Meer kann Seevölker erziehen."
Deswegen geht auf See auch alles Untüchtige und Unehrliche so schnell zugrunde, ,,Not schmiedet oder zerbricht."
Ein steter Kampf ist das Leben auf See, ein Ringen mit den Naturgewalten und mit den eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten. Aber Kampf erhält gesund. Und jeden Morgen siegt im Kampf mit der Dunkelheit das Licht, stets sich erneuernd, wie auch das Leben an Bord stets jung erhält, wie es immer voll Spannung und Hoffnung - und sei es nur auf den nächsten Hafen - bleibt.
Durch den räumlichen und zeitlichen Abstand vom Lande wird der Kopf freier und klarer. Der Blick schärft sich für das Erkennen des Hauptsächlichen und des Fragenden. Das große Spiel tritt klarer hervor, und die Kräfte, die hinter diesem stehen, werden deutlich und sichtbar.
Aus Erkennen, Erfühlen und Lieben des verlassenen Landes bildet sich der Begriff der ,,Heimat", und aus der Sehnsucht, dem Fernweh, entsteht bei steigender Zeit und wachsendem Abstand das Heimweh.
Der Landmensch der zum ersten Male auf einem Kriegs- oder Handelsschiff fährt, bewundert an diesem die höchste Zusammenballung von Kraft auf einen beschränkten Raum und die technischen Wunderwerke an Stärke, Präzision, Leichtigkeit, Sicherheit und Zusammenarbeit, die in ihm wirken.
Wie uns heutigen Deutschen aber stets und überall im Mittelpunkt alles Denkens und Schaffens der Mensch steht, so auch auf dem Meere, sei es auf einem Kriegsschiff, Fracht-, Verkehrs- oder Fischdampfer, der deutsche Seemann, Offizier, Maat oder Mann, an Deck oder in den Maschinenräumen. Es stellt wohl eines der größten Erlebnisse an Bord dar, daß das Zusammenleben und -wirken so vieler Männer auf einem Schiff die stärkste tätige und fast kriegsmäßig wirkende Manifestation der Gemeinschaftsarbeit bildet und daß gleichzeitig nirgendwo im Frieden eine Mannschaft in solch eiserner Disziplin und doch freiwillig nach dem Führerprinzip arbeitet wie die Besatzung eines Schiffes. Die Schönheit der See zeigt sich auf den vielen Meeren der Welt überreich und unterschiedlich. Sie ist je nach der Bewegtheit der Oberfläche und unter dem Eindruck von Licht und Luft wechselnd. Sie wirkt vor allem auf den jeweiligen Betrachter so verschieden ein, daß ihre unendliche Größe, Gewalt oder Lieblichkeit nur in schwachen, armseligen Andeutungen geschildert werden können. Den einen Seefahrer packt die Gewalt des Sturmes, den anderen ergreift die sonnendurchglänzte Anmut des stillen Meeres, seine Unendlichkeit, Ruhe und Einsamkeit. Während die See manchem Menschen nur dann etwas sagt, wenn sie mit schönen oder wuchtigen Küsten in Verbindung gebracht oder durch kämpfende Flotten oder fahrende Schiffe belebt wird.
Für die meisten Fahrgäste, vor allem im Zeitalter der Touristik, bedeutet jedoch ihre ,,Seefahrt" leider nur eine Überfahrt und man scheidet nach dem Motto: Viel gesehen, wenig gelernt."
Denen aber, die die See wahrhaft verstehen und lieben, schenkt sie in überreichen Maße Freude und Licht, Hoffnung und Vertrauen, Mut und Zuversicht. Diese Triebkräfte der Seele und des Geistes ( Nur Mut ), trifft ein altdeutscher Spruch:
,,Das ist des Wassers Brauch:
hebt die Welle, so trägt sie auch!"
Fünfter Törn
In den ersten drei Törns der Festzeitschrift ,,Im Visier" wurde die Geschichte der Gesellschaft Marine von der Gründung bis zum 10jährigen Bestehen erzählt.
Auch das sogenannte ,,Innenleben" der Gesellschaft zu beleuchten wurde nicht vergessen.
Weiter darauf einzugehen wäre weniger angebracht; denn wenn man die Jahresberichte der einzelnen Gesellschaften liest - wir bilden hier keine Ausnahme - schlägt jedem die Eintönigkeit der Berichte entgegen.
Wie sehen denn die sogenannten Chroniken aus. Es ist die Rede von Versammlungen, Kompanie-Schießen, Krönungsbällen, Auszeichnungen, Jahresausflügen, Weihnachtsfeiern und zuweilen einem aus dem üblichen Rahmen fallenden Ereignis.
Die Berichte über das Schützenleben innerhalb der Bruderschaft, das Schützenfest selbst bilden keine rühmliche Ausnahme. Jahr für Jahr die gleichen Worte, die gleiche Chronik.
Um nicht weiter in den Fehler vergangener Jahre zu verfallen, betrachten wir im letzten Törn dem Charakter unserer Gesellschaft entsprechend eine Abhandlung mit der Überschrift:
,,Das Erleben des Meeres"
In diesem Sinne wollen wir fortfahren bis es sich lohnt auf wirklich aktuelle Ereignisse aufmerksam zu machen.
Das ewige Meer
Aus der Urzeit der Erde stammt das Meer, und es ist noch heute das gleiche wie vor Millionen von Jahren. In großen Katastrophen oben sich einst Länder und Kontinente aus ihm empor und drängten es zurück; Erdteile versanken - es bedeckte sie wieder mit seinen Fluten. Immer gleich blieb sich der große Meeresraum der Erde.
Drei Viertel der Erdoberfläche bedeckt das Meer, und wie viele Deutsche gibt es doch noch, die überhaupt nichts von ihm wissen!
72 v.H. der Oberfläche der Erde gehören dem Meer zu, nur 28 v.H. sind Land! Wie Inseln schwimmen die Kontinente in den blauen Fluten der See, und wie diese sind sie von ihr abhängig, denn ungeheure Landgebiete erstarren unter dem Einfluß benachbarter kalter Meeresströmungen und weite Flächen hoher Breiten halten durch warme Strömungen ein mildes Klima und reiche Vegetation. Vom Meer steigt die Feuchtigkeit auf; wassergesättigte Wolken ziehen von ihm über das Land und ergießen auf Felder, Wiesen und Wälder ihren befruchtenden Regen. Und Bäche, Flüsse und Ströme des Landes sammeln wiederum das Naß, fließen zum Meere herab und vollenden so den großen Kreislauf des Wassers. Das Land aber, das aus diesem ausgeschaltet ist, verdorrt zur Steppe, verdurstet und verbrennt zur Wüste.
Von allen Lebewesen der Erde leben 80 v. H. im Meere und nur 20 v.H. auf dem Lande und in der Luft. Einzig der Mensch ist es, der neben wenigen Säugetieren auf dem Lande und auf dem Meere leben kann. Schon in ihrer frühesten Jugend fand die Menschheit den Weg zum Meer.
Mit Ausnahme geringer Temperaturunterschiede bleibt das Meer sich in allen Jahreszeiten gleich und verändert sein Antlitz nicht. Während auf dem Land die Tiere früherer Zeitalter der Erde ausgestorben sind, da die Erdoberfläche die Voraussetzungen ihrer Lebensbedingungen veränderte, leben die alten Formen der Tierwelt immer noch im ewig gleichbleibenden Wasser des Meeres. Allerdings ist dieses ärmer an Tierformen als das Land, auf dem die Entwicklung stärker war.
Die See ist die größte Darstellung der Macht und Größe der Natur. Hier zeigen diese sich am reinsten. Während fast alle Kontinente und Länder untereinander verschieden sind, bleiben alle Meere der ,Welt sich gleich, stehen alle unter dem einen großen Gesetz der Natur.
Länder verändern im Laufe der Entwicklungsgeschichte der Erde oder unter dem Einfluß des Menschen ihre Oberfläche, blühen auf, werden müde, erstarren oder verderben, das Meer bleibt ewig unverändert, obwohl seine Küsten der Veränderung unterworfen sind. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: auf dem Meere sind sie eine Einheit!
Ewige Jugend, frische Kraft und Reinheit, ihr Symbol ist das zeitlose Meer.
Die Meere, die Chamisso die Straßen der Länder nennt, verbinden die Völker der Erde und trennen sie gleichzeitig voneinander. Sie schaffen dadurch stetig Spannungen und Gegensätze, deren Auslösungen die Entwicklung der Menschheit mächtig gefördert haben.
Die See schulte die Kraft und den Weitblick derjenigen Völker, die durch Blut und ihren Instinkt zur Seefahrt getrieben wurden. Sie stellte ihnen große Aufgaben und Ziele und ermöglichte ihnen einen schnellen Aufstieg.
Beherzten und tatkräftigen Völkern, die sich in die Weite des Meeres hinauswagten, gab die See Nahrung und Erwerb, sie wurde ihnen zum wichtigsten Verkehrsmittel. An Forderungen und Notwendigkeiten der Seefahrt wuchsen die politischen Fähigkeiten der Völker; die begabtesten und kühnsten unter den Seevölkern spannten die Seemacht in den Dienst ihrer Weltpolitik. Und aus dem Erleben der See heraus entstanden den Seevölkern ihre Helden, deren Taten oft nicht allein ihrem Volke, sondern gleichzeitig dem Fortschritt der ganzen Menschheit dienten.
,,Auf dem Meere", schrieb Ratzel, ,,geschehen die großen Schritte, die den Boden der Geschichte erweitern, das Meer erzieht Weltmächte". Aber die Kräfte, die hierbei in Tätigkeit gesetzt und ausgelöst werden, befruchten stets auf das stärkste auch die Kultur und Zivilisation der Völker.
Das Meer ist höchste Natur? Entfremdet der Mensch sich dem Meere, so verliert er einen wesentlichen Teil seines Zusammenhanges mit der Natur, die Harmonie wird zerstört, seine Gestaltungskraft sinkt. Stete Jugend und Erneuerung aber verleiht dem Meere den Völkern, die seine Eigengesetzlichkeit in ihrem Denken und Handeln berücksichtigen und ihre Sehnsucht weniger dem Reichtum und der Macht des Meeres als seiner Ewigkeit zuwenden!