Liebe Leser der Schützenzeitschrift ,,Im Visier": In der letzten Ausgabe des ,,Visiers" (September 1990) wurde der Werdegang der Gesellschaft ,,Marine" anläßlich des 4ojährigen Jubiläums in hervorragender Weise dargestellt.
Das Jubiläumsjahr der Gesellschaft endete offiziell mit dem traditionellen Labskaus-Essen im November 1990. Auch diese Veranstaltung wurde von unseren passiven Mitgliedern und allen Freunden der Gesellschaft angenommen und war folgedessen gut besucht.
Da Labskaus nicht jedermanns Geschmack ist, möchten wir Ihnen dieses traditionelle Essen einmal vorstellen.
Noch immer ist nicht geklärt, woher der Name der Hamburger Nationalspeise Labskaus kommt und wie das Rezept zubereitet wird. Denn ,,man kann es zubereiten wie man will, es ist immer richtig, vorausgesetzt, daß es schmeckt", so ein Hamburger Chefkoch. Und daß es richtig zubereitet ausgezeichnet schmeckt, erklärt seine Beliebtheit, nicht nur bei den Hambur-gern und den Bewohnern der Küste, sondern auch bei Fremden.
Die rümpfen in der Regel die Nase, wenn sie zum erstenmal den seltsamen rötlichen Brei serviert bekommen, der; aus unbekannten Zutaten zusammengesetzt, noch dazu mit einer Gurke garniert ist. Sobald aber der Duft der dampfenden Speise bis zur Nase vorgedrungen ist, verwandelt sich der Widerwillen fast immer in angenehmes Erstaunen.
Labskaus ist ein Seemannsgericht aus Zeiten, als noch Piraten die Meere befuhren, Seeleute aussahen wie Piraten und der Schiffskoch auf langen Fahrten froh sein mußte, wenn die hung-rige Crew ihn nicht wegen eines Schlangenfraßes kielholte. So mußte er sich anstrengen, aus bescheidenen Mitteln ein schmackhaftes Essen zusammenzurühren. Gut, wenn er Kartof-feln und Zwiebeln in seiner Vorratskammer hatte. Noch besser; wenn ihm ein Faß mit Pökelfleisch zur Verfügung stand. Und fand er irgendwo eingelegte Gurken und Röte Beete, dann hatte er die Grundzutaten für ein delikates Labskaus beisammen. Das alles und bei Gelegenheit noch einen Hering drehte er durch den Wolf, kochte es ein Weilchen und servierte es seinen vier-schrötigen Kollegen mit der beruhigenden Gewißheit, ihnen ein Festmahl bereitet zu haben. Die jeweilige Zusammensetzung des Labskaus hing also immer davon ab, was gerade in der Bordspeisekammer zu finden war. So erklärt sich, daß es bis heute kein einheitliches Rezept für das Hamburger Nationalge-richt gibt. Der eine verwendet Corned Beef, der andere schwört auf gepökelte Rinderbrust. Wieder ein anderer würzt mit feinge-würfeltem Meerrettich nach und verdünnt das Labskaus mit etwas Brühe, damit es nicht zu steif wird. Als Beilage werden in Hamburg meist Rote Beete gereicht. Ein Spiegelei obenauf, eine Gewürzgurke und ein Matjesfilet daneben gehören auch dazu. In unserem Fall6 jedoch gibt der Koch sein Rezept nicht preis, auch wird bei uns Spiegelei und Matjesfilet nicht serviert.
Sprachforscher wollen herausgefunden haben, daß Labskaus ,,eine Schüssel Gehacktes" bedeutet. In ,,kaus" soll ein altes niederdeutsches Wort für Schüssel stecken, während sich ,,Labs" angeblich vom englischen ,,lappeif" (,,Fleischlappen") herleitet. Für andere Wissenschaftler ist Labskaus gleichbedeu-tend für den englichen , ,lobscouse", ebenfalls ein Seemannsge-richt. Wie auch immer: Mit farcierten Fleischlappen ist der Koch gut bedient. Denn das Hamburger Nationalgericht schmeckt besser; wenn statt Corned Beef gepökelte Rinderbrust genommen wird, die die Seefahrer früher in Fässern auf die Reise nahmen. Wir wünschen allen, die im November 1991 an unserem Labskaus-Essen teilnehmen, jetzt schon einen guten Appetit.
Zum Beginn des Jahres 1991 sind einige Veränderungen im Leben der ,,Marine" eingetreten. Unser etablierter und hervorragender Vorstand ist zum 31.12.1990 komplett zurückgetreten. Unsere alten Haudegen, wie Franz Bellartz, Heinz Fontes und Helmut Mücher; waren der Meinung, daß nach so vielen Jahren Vorstandsarbeit jüngere Kameraden das Steuer in die Hand nehmen sollten. Nach dem Motto ,,Die Jugend an die Verantwortung" wurde am 13.1.1991 ein neuer Vorstand gewählt:
Vorsitzender: Klaus Peter Roß
Kassierer: Friedrich Wendel
Schriftführer: Hans-Dieter Haupt
Die Kameraden, Hans Dieter Haupt und Klaus Peter Roß, gehörten bereits dem alten Vorstand an. Auf diesem Wege möchten sich alle Kameraden bei den ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern für die geleistete Arbeit nochmals ganz herzlich bedan-ken.
Selbstverständlich wünschen wir dem neuen Vorstand bei allen Entscheidungen eine glückliche Hand und gute Zusammenar-beit. Nach alter Tradition der Gesellschaft dürfte dies kein Pro-blem sein.
Die erste Veranstaltung unter Führung des neuen Vorstandes im Jahre 1991 war das Schießen um den ,,besten Schützen". Als Sieger ging bei den aktiven Mitgliedern Peter Klein und bei den passiven Mitgliedern Günter Neus hervor.
Im Mai fand dann zum Grefrather Landhaus bei Neuss der traditionelle Familienausflug mit Königsschießen statt. Mit zwei Bussen wurden alle aktiven und passiven Mitglieder sowie die Freunde der Gesellschaft nach Grefrath gebracht. Nach hartem Kampf unter den aktiven Mariners war Leo Köntgen der Glückliche und wurde König der Gesellschaft. Selbstverständlich ließ Leo keine Zweifel daran aufkommen, wer während seines Königsiahres ihm zur Seite stehen wird. Unter dem Beifall aller Anwesenden wird seine Ehefrau Erika ihn durch das Königsjahr begleiten. Pfändersieger wurden W. Plöger, K. P Roß, W. Riemenschneider; A. Wetzel und L. Tappen.
Auch bei den passiven Mitgliedern wurde hart gekämpft und unter dem Jubel aller erkämpfte sich Henry Krüger die Königswürde. Zu seiner Königin ernannte er seine Ehefrau Thea. Pfändersieger wurden E. Feldkamp, R. Korff, T. Bremm, W. Bonekamp und H. Vervoorts.
Der Krönungsball, am 22.6. 1991, im Pfarrsaal Sankt Maria unter dem Kreuze war wie immer ein voller Erfolg. Der neue Leiter des Festausschusses, Eberhard Köhn, und seine Mannschaft hatten hervorragende Arbeit geleistet, so daß allen Gästen und Mitgliedern ein hervorragendes Programm geboten wurde. Die Bühne des Pfarrsaales war so dekoriert, daß sich alle Anwesenden nach Italien versetzt fühlten. Die Band aus Neuss, ,,Die Vier", sowie die internationalen Künstler sorgten für eine tolle Stimmung im Saal.
Die Herrentour der Gesellschaft ,,Marine", die letzte Veranstaltung vor dem diesjährigen Schützenfest, ging zur Nordsee-Insel Juist. Für die Überfahrt vom Festland zur Insel hatte sich der Festausschuß einen besonderen Gag einfallen lassen. Um den Aufenthalt auf der Insel zu verlängern, wurde nicht die Fähre zur Überfahrt genutzt, sondern das Flugzeug gewählt. Es war für viele ein besonderes Erlebnis, zum ersten Mal in einer achtsitzigen Sportmaschine zu fliegen.